Cannabis-Legalisierung: Prävention stärken

Sucht-Experten der Diakonie Herzogsägmühle warnen vor Bagatellisierung aber auch vor Panikmache

Die Teil-Legalisierung von Cannabis-Drogen ist umstritten. Symbolfoto: Unsplash/2H Media

Angesichts der geplanten Teil-Legalisierung von Cannabis fordern die Sucht-Expert*innen der Diakonie Herzogsägmühle mehr Mittel für die Aufklärungs- und Präventionsarbeit.

Cannabis-Konsum dürfe angesichts der damit verbundenen Gefahren nicht bagatellisiert werden; andererseits könne die Entkriminalisierung Menschen dabei helfen, in ihren Lebensläufen nicht ins soziale Abseits zu geraten.

"Wir beschäftigen uns in unseren Einrichtungen nun damit, wie wir reagieren, wenn Menschen demnächst auch bei uns legal Marihuana oder Haschisch rauchen wollen", sagt Volker Greiner, der den Fachdienst Sucht des Bereichs "Menschen in besonderen Lebenslagen" leitet. Das gelte "besonders für die Jugendhilfe, aber auch für Einrichtungen, in den Menschen mit Sucht- und psychischen Erkrankungen leben." Auch sei damit zu rechnen, "dass Begleiterkrankungen zunehmen werden, wenn mehr Menschen Cannabis konsumieren".

Greiner: "Wir müssen die Prävention stärken. Cannabis kann abhängig machen und schwere psychische Krankheiten auslösen. Das gilt vor allem für junge Menschen, deren Gehirnentwicklung noch nicht abgeschlossen ist."

Dennoch bestehe angesichts der Teil-Legalisierung kein Grund, in Panik zu verfallen: "Dem Konsum ist durch die vom Bundestag beschlossene Regelung keineswegs Tür und Tor geöffnet. Er wird deutlich stärker limitiert sein als der Konsum von Alkohol – und den können Sie in jedem Supermarkt kaufen."

Zudem sei Cannabis "schon jetzt überall zu finden" – obwohl der Besitz und der Konsum bisher in Deutschland nur unter strengen Auflagen etwa bei medizinischen Schmerztherapien erlaubt ist.

Für Prävention schon im Grundschulalter plädiert Tobias Giebel. Der Sozialpädagoge arbeitet als Streetworker der Suchtberatungsstelle der Diakonie Herzogsägmühle im Landkreis Weilheim-Schongau. "Die Kinder sollen früh lernen, 'Nein' zu sagen und eigene Grenzen zu ziehen." Das seien wichtige Grundlagen, um den problematischen Konsum jeglicher Suchtmittel zu verhindern. Zu Giebels Klient*innen gehören Jugendliche und junge Erwachsene. Die meisten von ihnen sind zwischen 14 und 27 Jahre alt.

Außerdem müsse die Aufklärungsarbeit intensiviert werden. "Wir wollen Cannabis-Konsument*innen, bewusstmachen, warum sie überhaupt Rauschmittel konsumieren. Wichtig ist auch zu wissen, dass viele Drogen gestreckt werden und dass diese Verunreinigungen gesundheitliche Gefahren mit sich bringen."


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