Drei Jahrzehnte Krisenbegleitung in Schongau

Sozialpsychiatrischer Dienst und Psychosoziale Beratungsstelle – Suchtberatung

Sitzende, nicht erkennbare Frau mit gefalteten Händen
Anlaufstellen: Der Sozialpsychiatrischer Dienst und die Psychosoziale Beratungsstelle – Suchtberatung in Schongau. Symbolfoto: istockphoto.com/peopleimages

Seit 30 Jahren unterstützen der Sozialpsychiatrische Dienst und die Suchtberatung in Schongau Menschen in seelischen Krisen und mit Suchterkrankungen. Zum Jubiläum blicken die Leiter*innen auf Entwicklungen in der zurück.

Seit 30 Jahren beraten der Sozialpsychiatrische Dienst und die Psychosoziale Beratungsstelle – Suchtberatung in Schongau Menschen in seelischen Notlagen und mit Suchterkrankungen. Zum 30-jährigen Bestehen blicken die Leiter*innen der beiden Einrichtungen, Simone Strommer und Martin Gerl, auf die Entwicklungen im psychosozialen Hilfesystem zurück.

Was 1994 mit einer Außensprechstunde begann, ist heute ein etabliertes Beratungsangebot mit festen Anlaufstellen in Schongau und Peiting: An fünf Tagen pro Woche ist der Sozialpsychiatrische Dienst inzwischen besetzt. "Ein Meilenstein war 2020 die Einführung unserer Außensprechstunde in Peiting", berichtet Simone Strommer. Sie ist Leiterin des Sozialpsychiatrischen Dienstes. Besonders am Herzen liegt ihr eines der jüngeren Projekte: eine Gesprächsgruppe speziell für ältere Menschen. "Mit Blick auf eine älter werdende Gesellschaft ist das ein wegweisender Schritt."

Auch die Suchtberatung in Schongau blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Martin Gerl, der die Einrichtung seit sieben Jahren leitet, erinnert sich: "Unsere Suchtberatung in Schongau startete 1995 als Außenstelle der Psychosozialen Beratungs- und Behandlungsstelle in Weilheim. Damals noch mit einzelnen Tagen pro Woche. Das war ein großer Gewinn, weil von diesem Zeitpunkt an Ratsuchende im gesamten Landkreis und auch im Raum Schongau besser erreichen konnten – quasi vor der Haustür."

Beide Einrichtungen arbeiten heute im "DOMIZIL" in der Schongauer Dominikus-Zimmermann-Straße. Dort bilden sie mit weiteren Angeboten der Diakonie München und Oberbayern ein Beratungszentrum.

Beratungen via Video-Call, Chat, oder E-Mail sind heute Standard

Was sich verändert hat? "Die Stigmatisierung psychischer Erkrankungen ist zurückgegangen", so Strommer. Menschen trauten sich eher, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Der Austausch mit Hausärzt*innen sei enger geworden. Gleichzeitig, so Gerl, fehle es in der Öffentlichkeit oft noch an Wissen, etwa über Suchterkrankungen und deren Behandlungschancen.

Auch das Bild der Sucht selbst hat sich verschoben. "Früher kamen Menschen vor allen wegen Alkohol, Cannabis und Heroin zu uns in die Beratung", erklärt der Sozialpädagoge und Suchttherapeut Gerl. Das habe sich geändert. Neben Alkohol, der nach wie vor Thema Nummer 1 in der Suchtberatung ist, sind Medikamentenprobleme oder Suchtverhalten in Bezug auf Medien oder das Internet in den Fokus gerückt. "Wir haben uns darauf natürlich fachlich eingestellt", betont Gerl. Und noch etwas hat sich verändert: Beratungen via Video-Call, Chat, oder E-Mail sind heute Standard.

Krise – Gefahr oder Chance?

Zum Jubiläum haben die Einrichtungen zum Ärzt*innen zu einem Fachtag eingeladen. Titel: "Krise – Gefahr oder Chance?" Krisen, so Strommer, hätten immer zwei Seiten: "Auf der einen Seite steht die Gefahr: etwa Suizidalität, Fremdgefährdung, soziale Isolation oder der Verlust von Arbeit und Wohnung. Auf der anderen Seite kann eine Krise auch ein Wendepunkt sein. In solchen Momenten entsteht oft Raum für Veränderung, neues Selbstbewusstsein und damit auch für bessere soziale Beziehungen."

Martin Gerl ergänzt: "Die meisten Menschen erleben krisenhafte Veränderungen." Die Bewältigung müsse aber niemand alleine schaffen. "Gerade dafür gibt es ja Beratungsdienste wie uns."


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