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Vor zehn Jahren kamen zehntausende geflüchtete Menschen in München an. Die Diakonie München und Oberbayern koordinierte Notunterkünfte, Erstversorgung und Hilfeangebote. Ein Rückblick auf zehn Jahre gesellschaftliche Veränderungen.
Vor zehn Jahren, im Spätsommer 2015, kamen Hunderttausende Geflüchtete nach Deutschland, vor allem aus Syrien, Afghanistan und dem Irak. Allein am Münchner Hauptbahnhof trafen innerhalb weniger Tage rund 67.000 Menschen ein.
Die Diakonie München und Oberbayern leistete zusammen mit Behörden, anderen Organisationen und Ehrenamtlichen entscheidende Hilfe. Sie richtete Notunterkünfte ein, koordinierte Hilfsmaßnahmen und sorgte für die Erstversorgung der Ankommenden.
"Es war absehbar, dass immer mehr Menschen kommen würden. Trotzdem überrascht es einen, wenn es dann tatsächlich passiert", sagt Lisa Ramzews, stellvertretende Leiterin des Geschäftsbereichs Flucht und Migration bei der Diakonie. Sie arbeitet seit 27 Jahren mit geflüchteten Menschen.
Innerhalb kürzester Zeit mussten Strukturen geschaffen werden, die elementaren Bedürfnissen wie Essen, Kleidung und Unterkunft gerecht wurden. "Vor zehn Jahren wurde München wirklich zur Weltstadt mit Herz. Das hat mich sehr stolz gemacht", erinnert sich Ramzews. "Die positive Stimmung, die Bereitschaft, Geflüchtete willkommen zu heißen und in die Gesellschaft zu integrieren, war ein Aufbruch."
"Heute hat sich die Stimmung leider deutlich verschlechtert. Viele geflüchtete Menschen fühlen sich auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt kontinuierlich weniger willkommen, und die Sorgen vor Rassismus nehmen zu", resümiert Andrea Betz, Vorstandssprecherin der Diakonie München und Oberbayern, mit Blick auf eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). "Die anfängliche Hilfsbereitschaft ist vielerorts der Debatte über Belastungen und gesellschaftliche Spannungen durch Zuwanderung gewichen", so Betz. Sie fordert von der Politik gezielte Maßnahmen, um Integration zu fördern und vor allem faktenbasierte Debatten über Migrationsthemen zu führen. Betz: "Trotz angespannter Haushaltslage sollte gerade bei Unterstützungs- und Beratungsangeboten nicht gespart werden. Sie sind essenziell für eine gute und erfolgreiche Integration, was wiederum unsere Gesellschaft positiv prägt."
Doch weil es sich dabei meist um freiwillige Leistungen handelt, die etwa vom Freistaat Bayern oder den Kommunen finanziert werden, sind sie angesichts knapper Kassen besonders von Kürzungen bedroht.
Dabei zeigt sich am Beispiel von 2015 auch, dass Integration gelingen kann: Viele der geflüchteten Menschen, die vor zehn Jahren angekommen sind, haben inzwischen ihren Platz in der Gesellschaft gefunden. Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sind heute rund zwei Drittel von ihnen berufstätig. Manche von ihnen helfen nun anderen beim Ankommen. "Bei uns arbeiten ehemalige syrische Geflüchtete, die 2015 angekommen sind, heute als Integrationsberater*innen", betont Lisa Ramzews.
Diakonie München und Oberbayern gGmbH
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Pressesprecherin